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BRK: ver.di fordert bessere Arbeits(zeit)bedingungen

BRK: ver.di fordert bessere Arbeits(zeit)bedingungen

16.02.2017

Vor mehr als zwei Jahren wurde der Manteltarifvertrag beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) gekündigt, und ebenso lange fordert ver.di für die Beschäftigten eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Trotz vieler wohlmeinender Bekundungen des Arbeitgebers BRK über die Notwendigkeit, die Belastungen der Mitarbeiter zu verringern, treten die Verhandlungen auf der Stelle. „Der Unmut der Beschäftigten wächst. Sie pendeln zwischen Resignation und innerer Kündigung einerseits und neuer Aktions- und Konfliktbereitschaft andererseits“, berichtete Robert Hinke, Fachbereichsleiter für Gesundheit und Soziales bei ver.di Bayern. Die Gewerkschaft dringt nun auf Einsicht der Arbeitgeber bei der anstehenden Verhandlungsrunde am 24. Februar.

Die Arbeitsverdichtung im Rettungsdienst ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. „Ein belegbarer Sachverhalt“, so Lorenz Ganterer, ver.di-Verhandlungsführer, „der zwar von niemandem bestritten, doch von den Verantwortlichen weitgehend ignoriert wird“. Der Zeit- und Leistungsdruck und die damit einhergehenden psychischen und physischen Belastungen im Rettungsdienst nähmen Jahr für Jahr zu.

Die Gewerkschaft ver.di fordert daher den „Einstieg in den Ausstieg der 45 Stunden-Woche im Rettungsdienst“. Für ver.di steht außer Frage: Eine 45-Stunden-Woche ist unter Berücksichtigung der enormen Arbeitsverdichtung sowie der gestiegenen qualitativen Anforderung im Rettungsdienst nicht mehr zeitgemäß. Es sei daher auch kein Zufall, wie Ganterer unterstrich, dass die Krankenstände deutlich oberhalb der Durchschnittswerte liegen und kaum ein Beschäftigter im Rettungsdienst die Regeleintrittsgrenze von 65 bzw. 67 Jahren erreicht. „Aktive Kollegen älter als 60 Jahre kennt kaum jemand“, so der Gewerkschafter.

ver.di könne sich auch Alternativen zu einer generellen Arbeitszeitverkürzung vorstellen, so Robert Hinke, welche zu einer spürbaren Entlastung führen und dennoch den Weg zur Arbeitszeitverkürzung einläuten. Längst seien auch die Aufsichtsbehörden auf die Arbeitsbedingungen im bayerischen Rettungsdienst aufmerksam geworden. „Der Handlungsbedarf ist offenkundig, aber am Willen der Arbeitgeber hapert es noch“, so Hinke.

Hoch bedenklich seien die Arbeitsbedingungen auch in zahlreichen Einrichtungen der Altenpflege des BRK. Ausufernde Arbeitszeiten, Überstundenberge, geteilte Dienste, Einspringen aus der Freizeit, mangelnde Möglichkeiten Pausen zu nehmen seien gang und gäbe. Besonders bedenklich sei der vielfach zu beobachtende arbeitgeberseitige Missbrauch einer tariflichen Regelung, welche bei Einhaltung einer Zwei-Tage-Frist eine individuelle Anordnung von Arbeit ermöglicht. Diese Regelung sollte als Ausnahmeregelung in Notsituationen dienen, gehört aber vielfach zum Standardrepertoire der Personaleinsatzplanung. Dienstplanchaos sei die Folge, womit insbesondere den Altenpflegekräften planbare Dienst- und Freizeiten geraubt würden.

Hinke geht davon aus, dass es auch von einem gesamtgesellschaftlichen Interesse ist, unter welchen Rahmenbedingungen die Beschäftigten beim BRK ihre Arbeit leisten müssen. Denn die Arbeitsbedingungen betreffen auch unmittelbar die zu versorgenden Patienten und deren Wohl. „Wer will sich im Notfall auf einen übermüdeten Rettungsassistenten oder Rettungssanitäter verlassen müssen? Wer möchte von einer gestressten und ausgepowerten Pflegekraft gepflegt werden? Die Antwort liegt auf der Hand – und jeder kann davon betroffen sein“, verdeutlichte Hinke.