• Berufspolitische Informationen

    Informationen aus der Arbeit von mti

    Meister-, Techniker- und IngenieurInnen

Filmbesuch "From Business to Being"

25.01.2024 In Zusammenarbeit mit dem DOK.fest München und der Münchner VHS hat der mti-Ausschuss München den deutschen Dokumentarfilm "From Business to Being" von Hanna Henigin und Julia Wildgruber besucht.

Auch Manager als High Performer sind immer höheren Erwartungen und größerem Leistungsdruck ausgesetzt, für Privates und Entspannung bleibt keine Zeit. Die Folge anhaltenden Stresses sind Lebenskrisen, Burnout und Depressionen. Die Dokumentation folgt drei Führungskräften, einem ehemaligen Investmentbanker, einem Chef einer Drogeriekette und einem Manager in der Autoindustrie. Können Meditation und Bewusstseinstraining diesen helfen, sich aus dem Hamsterrad zu befreien? Die Wirkung von Achtsamkeit im Arbeitsleben wird im Film wissenschaftlich mit Expert*innen vom ‚Massachusetts Institute of Technology‘ bis zum ‚Max-Plank-Institut‘ beleuchtet und mündet in den Konzepten des „mindful leadership“.

Sicherlich kann Meditations- und Achtsamkeitstraining Menschen persönlich weiterhelfen. Die Diskussion im Anschluss an den Film warf jedoch die Frage auf, inwieweit diese im Unternehmenskontext wirklich dem Menschen dienen sollen oder ob sie nur ein weiteres Mittel sind, um noch mehr Leistung aus den Beschäftigten herauspressen zu können.

Auch für technische Fach- und Führungskräfte ist die Grenze zwischen beruflicher Selbstverwirklichung und Selbstausbeutung ein schmaler Grat. Der gewerkschaftliche Dialog mit Kolleg*innen kann hier helfen, den persönlichen Standort besser einzuordnen. In diesem Sinne ist die aktive Beteiligung beim mti auch ein Schritt zu mehr beruflicher Selbstachtsamkeit.

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Betriebliche Weiterbildung durch Weiterbildungsmentor*innen

27.10.2023

Bericht über die mendi.net Veranstaltung

Daniel Dzillak vom IFTP stellte das Qualifizierungsprojekt mendi.net in einer Online-Veranstaltung des mti am 19.10.2023 vor. 

Das vom BMBF geförderte Projekt fußt auf der Überzeugung, dass der Wandel der Arbeitswelt nur durch betriebliche Weiterbildung und der Beteiligung aller gestaltet werden kann. Eine Schlüsselrolle nehmen dabei Betriebs- und Personalräte ein, die künftig über den Einsatz von betrieblichen Weiterbildungsmentor*innen eine aktive und von allen gelebte Weiterbildungskultur in ihren Betrieben fördern können. Betriebliche Mentor:*innen können Kolleg*innen individuell beraten und motivieren. Außerdem begegnen sie den Kolleg*innen auf Augenhöhe und bekommen so ungefiltert die Weiterbildungsbedarfe und Probleme mit. 

In einer umfangreichen Austausch- und Diskussionsrunde konnten Probleme der betrieblichen Weiterbildung und Chancen der Weiterbildungsförderung anhand konkreter betrieblicher Beispiele besprochen werden.

Die Finanzierung des Projekts mendi.net zur Ausbildung von Weiterbildungsmentor*innen ist nur noch bis Mitte 2024 gesichert. Die Personengruppe der Meister*innen, Techniker*innen, Ingenieur*innen unterstützt ausdrücklich die Forderungen von ver.di, das Projekt im Sinne der Nationalen Weiterbildungsstrategie fortzuführen.  

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Betriebliche Weiterbildung durch Weiterbildungsmentor*innen

19.09.2023

mendi.net

Betriebliche Weiterbildung durch Weiterbildungsmentor*innen

Dem Projekt mendi.net liegt die Überzeugung zugrunde, dass der Wandel in der Arbeitswelt nur mit verstärkten Initiativen und der Beteiligung aller an der betrieblichen Weiterbildung gestaltet werden kann. Ob webbasiert, analog oder hybrid – Weiterbildung hat heute viele Gesichter. Und eines haben alle „Gesichter“ gleich: Sie können von Personal- und Betriebsrat sowie Mitarbeitervertretungen mitgestaltet werden.
Über die Rolle und Funktion von Weiterbildungsmentor*innen wird informiert in einem Online-Vortrag am Donnerstag, den 19.10.2023, 18:00 Uhr.

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Online-Vortrag am 19.10.2023

  • Betriebliche Weiterbildung mendi.net

    Im Rahmen unseres Jahresschwerpunkts Weiterbildung möchten wir Meister*innen, Techniker*innen, Ingenieur*innen von ver.di über das Projekt mendi.net informieren. Hierzu veranstalten wir vom Bz. München ind dem LBz. Bayern am Do. 19.10.2023 18:00 - 19:30 Uhr einen Online-Vortrag (Anlage Einladung) zu dem wir euch herzlich einladen. Sehr gerne könnt Ihr diese Einladung auch an weitere (potentiell) interessierte Kolleg*innen weiterleiten. Vielen Dank dafür!

    PDF (129 kB)

Nachtrag zum Bildungszeitgesetz

27.10.2023

Nachtrag zum Bayerischen Bildungszeitgesetz

Am 26.10.2023 hat Ministerpräsident Söder den neuen Koalitionsvertrag vorgestellt (CSU und Freie Wähler haben mit 122 von 202 Sitzen eine stabile Mehrheit im bayerischen Landtag). 

Zu unserer Forderung nach einem Bildungszeitgesetz gibt es darin leider keine Aussage. 

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Brief zur Landtagswahl zum Bildungszeitgesetz

17.08.2023

Brief an die Direktkandidat:innen

Auf Anregung der Meister:innen, Techniker:innen und Ingenieur:innen (mti) hat die bayerische Landesbildungskonferenz von ver.di einen Musterbrief an die Direktkandidat:innen zur Landtagswahl entworfen, mit dem sie aufgefordert werden, Position zu einem Bildungszeitgesetz zu beziehen.

Der Brief kann an die Direktkandidat:innen der demokratischen Parteien in den jeweiligen Stimmkreisen geschickt werden. Ihr findet ihn hier nebenstehend.

Weitere Infos bei ver.di https://bayern.verdi.de/service/bildung/bildungsfreistellungsgesetz
und dem DGB Bayern https://bayern.dgb.de/bildungszeitgesetz 

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Bildungsfreistellunggesetz

  • Bildungszeitgesetz

    Musterbrief zum Bildungszeitgesetz an die Direktkandidat:innen zur Landtagswahl 2023

    DOCX (23 kB)

"The Happy Worker" oder "Arbeit ohne Sinn"

20.07.2023

Schöne neue Arbeitswelt? Kaum ein anderer Lebensbereich ist heute ähnlich radikalen Veränderungen unterworfen.

„Du bist nicht alleine, dem es so schlecht im Büro geht“

In Zusammenarbeit mit dem DOK.fest München und der Münchner VHS hat der mti-Ausschuss München den finnischen Dokumentarfilm "The Happy Worker – Or How Work Was Sabotaged" von John Webster besucht.

"The Happy Worker" fasst die vielen Probleme unseres zum Alltag gewordenen Berufslebens pointiert zusammen, sodass sich Betroffene leicht darin wiederfinden. In Interviews mit betroffenen Angestellten werden individuelle Erfahrungsberichte zum Burn-Out festgehalten. Interessant wird es auch, wenn die Autoren David Graeber (Bullshit Jobs), André Spicer (Business Bullshit) sowie die Psychologin Christina Maslach zu Wort kommen, die sich intensiv mit der problematischen Entwicklung der Bürojobs auseinandergesetzt haben.

Zwar gibt es seit 1996 mit dem Arbeitsschutzgesetz in Deutschland für die Arbeitgeber eine Pflicht zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit.

Der Film und die anschließende Diskussion zeigten jedoch eindringlich, dass hier noch ein 'dickes Brett zu bohren ist'.

Ver.di widmet sich diesem Thema z.B. in der Initiative Gute Arbeit, bei der auch die Personengruppe mti aktiv beteiligt ist.

Der Film "The Happy Worker" ist in der Mediathek auf 'arte' zu sehen. Dort läuft er unter dem Titel "Arbeit ohne Sinn" auf Deutsch.
https://www.arte.tv/de/videos/089133-000-A/arbeit-ohne-sinn/ 

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Schreiben von Texten durch künstliche Intelligenz (KI)

21.04.2023

Neue Softwareanwendungen auf Basis von künstlicher Intelligenz (KI) können Texte selbst erstellen oder dabei unterstützen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, baua, beschreibt unter „baua: Bericht kompakt“ mögliche Auswirkungen durch KI für betroffene Beschäftigtengruppen mit Schreibtätigkeiten:

Eine aktuelle Auswertung zu Schreibtätigkeiten bei der Arbeit zeigt das große Veränderungspotenzial dieser Technologie: Etwa 40 Prozent der Beschäftigten aller Altersgruppen und Berufssektoren verfassen im Rahmen ihrer Tätigkeit regelmäßig kurze bis mittellange Texte. Die Auswertung beleuchtet, welche Gruppen von Beschäftigten besonders häufig betroffen sind. Zudem werden Chancen und Risiken für die menschengerechte Arbeit diskutiert. 
https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Bericht-kompakt/KI-Texteschreiben.pdf 

ChatGPT

Wikipedia beschreibt ChatGPT: ChatGPT (Generative Pre-trained Transformer) ist ein Prototyp eines Chatbots, also eines textbasierten Dialogsystems als Benutzerschnittstelle, der auf maschinellem Lernen beruht. Den Chatbot entwickelte das US-amerikanische Unternehmen OpenAI, das ihn im November 2022 veröffentlichte.

mti München hat nun ChatGPT selbst kurz getestet und folgende Frage an Chat GPT am 19.4.2023 gestellt:

Sollten Ingenieure eine eigene Vertretung innerhalb von Gewerkschaften haben?

Antwort:

"Es gibt bereits Gewerkschaften, die sich speziell auf die Vertretung von Ingenieuren und technischen Arbeitnehmern konzentrieren. Zum Beispiel gibt es in Deutschland die Gewerkschaft IG Metall, die für viele Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie zuständig ist, einschließlich der Ingenieure.

Es gibt gute Gründe, warum Ingenieure eine eigene Vertretung innerhalb von Gewerkschaften haben sollten. Ingenieure haben oft spezialisierte Kenntnisse und Fähigkeiten, die für die Branche und das Unternehmen, für das sie arbeiten, von entscheidender Bedeutung sind. Die Arbeitsbedingungen und Anforderungen für Ingenieure können sich daher von anderen Arbeitnehmergruppen unterscheiden.

Durch eine eigene Vertretung können Ingenieure sicherstellen, dass ihre spezifischen Interessen und Anliegen innerhalb der Gewerkschaft berücksichtigt werden. Eine spezialisierte Vertretung kann auch dazu beitragen, dass Ingenieure bei Tarifverhandlungen und anderen Arbeitsfragen eine stärkere Stimme haben.

Eine eigene Vertretung für Ingenieure könnte auch dazu beitragen, das Engagement und die Beteiligung von Ingenieuren an Gewerkschaften zu erhöhen. Wenn Ingenieure das Gefühl haben, dass ihre Interessen innerhalb der Gewerkschaft nicht ausreichend vertreten sind, könnten sie weniger geneigt sein, sich der Gewerkschaft anzuschließen oder aktiv an Gewerkschaftsaktivitäten teilzunehmen.

Insgesamt kann eine eigene Vertretung für Ingenieure innerhalb von Gewerkschaften dazu beitragen, dass die spezifischen Interessen und Anliegen dieser Berufsgruppe angemessen berücksichtigt werden und somit eine bessere Vertretung der Arbeitnehmerinteressen insgesamt ermöglicht wird."

Weitere gewerkschaftliche Informationen zum Thema ChatGPT sowie KI findet man z.B.

beim DGB:

Risiko ChatGPT: Künstliche Intelligenz auf Kaperfahrt

bei ver.di:

ver.di-Positionen: Künstliche Intelligenz und Gute Arbeit gestalten

ver.di positioniert sich zu Künstlicher Intelligenz (KI)

ver.di-Bundesvorstand beschließt "Ethische Leitlinien für die Entwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI)"

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Tarifrunde 2023

Der mti erklärt sich solidarisch mit allen Beschäftigten im Arbeitskampf, z.B. mit den Kolleg*innen des öffentlichen Dienstes.

Wir sind aktiv und tragen unseren Protest vor die Betriebe, Dienststellen und auf die Straße. Gemeinsam kämpfen wir für ein Tarifergebnis, das der Arbeit im öffentlichen Dienst Anerkennung und Respekt zollt!

https://zusammen-geht-mehr.verdi.de/ 

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Tarifrunde 2023

mti Statement zu den Tarifverhandlungen
© ver.di

Risiken der Arbeitswelt von morgen

Was bringt die Zukunft im Hinblick auf unsere Arbeitsplätze? Wie werden sie sich verändern – zum Beispiel durch die Digitalisierung, den Klimawandel oder die Möglichkeit weiterer Pandemien?

Wie die Zukunftstrends in der Arbeitswelt aussehen, darüber diskutierten bei der hybriden Veranstaltung „Die Basi im Dialog mit der DGUV“ am 17. Januar 2023.

Unser Kollege Kai Glauner besuchte diese Veranstaltung und berichtet darüber.

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Veranstaltungsbericht

Landesbezirkskonferenz mti 12.01.2023

Vorausschauende Arbeitsforschung

Der ver.di-Bereich „Innovation und Gute Arbeit“ setzt auf vorausschauende Arbeitsforschung. In den Jahren 2020/2021 wurde von ver.di an folgenden Themen gearbeitet und Arbeitsergebnisse für die Betriebs- und Personalräte geliefert.

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Projekte Gute Arbeit

Nachhaltiges Bauen: Ein Thema im Trend

Bayerischer Ingenieuretag: Energieverbrauch in den Städten, Versiegelung der Landschaft und Altgebäude als Herausforderung für die Zukunft

Der 30. Bayerische Ingenieuretag, das größte branchenweite Vernetzungstreffen in Bayern, fand zum zweiten Mal online statt. Mit kompetenten Referent*innen hat die Ingenieurekammer Bau den Nerv der Zeit getroffen. Im Mittelpunkt der Online-Veranstaltung stand das Thema nachhaltiges Bauen und nachhaltige Wirtschaftsordnung. Beide Komplexe haben sowohl Bezug zur Arbeitswelt und Gesellschaft, als auch zur technologischen Entwicklung unserer Zeit.

Norbert Gebbeken, Professor und Präsident der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau, zeigte nach seiner Begrüßung mit einer Zeitreise ins späte Mittelalter die Weltkarte von 1482 „Terra Incognita“ (Unbekanntes Land). "Vor einer ähnlichen Situation stehen wir heute, 500 Jahre später, wenn wir uns in eine unbekannte Zukunft wagen, die für Eroberer Chancen, aber auch Risiken bergen." Es sei alles Wissen in der digitalen Welt verfügbar, aber eben auch verdrehte Wahrheiten. Früher hieße es „Vorsprung durch Technik“ (Audi) und heute Vorsprung durch Daten.

Nun habe Google Macht und Hoheit errungen. In unserer heutigen Welt treffe persönliche Freiheit auf totale Überwachung und auf gesellschaftliche Zwänge. Seit 50 Jahren gibt es den „Club of Rome“, der den Klimawandel und Grenzen des Wachstums beschrieb. Von den acht Milliarden Menschen leben 6,5 Milliarden in Entwicklungs- und Schwellenländern. Unbegrenztes Wachstum könne nicht die Lösung sein für gleiche Lebensverhältnisse wegen der CO2-Emissionen. Eine Klimakatastrophe droht, unterstrich Gebbeken. Um Nachhaltigkeit zu erreichen, seien fundamentale Änderungen notwendig. Das Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2030 zu halbieren und bis 2040 klimaneutral zu sein, sei sehr ambitioniert. „Ohne staatliche Regulierung ist dieser Aufbruch nicht umzusetzen“, so Gebbeken.

In Bayern hat die Ingenieurekammer Bau daher einen Runden Tisch eingerichtet. Mit ihm soll eine beschleunigte digitale und ökologische Transformation beim Bauen erarbeitet werden. Gerade jüngere Mitarbeiter*innen fragen nach dem Sinn ihres Tuns. Ingenieurinnen und Ingenieure müssen sich als Gestalter der Gesellschaft präsentieren und auf die Menschen zugehen. „Nur so können wir gemeinsam eine gute Zukunft bauen.“ Mit dem Zitat aus Astrid Lindgrens „Pippi Langstumpf“: „Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut“, schloss Gebbeken sein Referat ab.

Für Kerstin Schreyer, Bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, ist es das Ziel, die Bauprozesse und Genehmigungsverfahren mit Hilfe der Digitalisierung zu beschleunigen. Dies sei eine mühevolle Kleinarbeit mit den einzelnen Landratsämtern und Kommunen. Nachhaltigkeit im Bauen und bei der Sanierung ertüchtige die Innenstädte und unterstütze eine Wiederbelebung. Bei der Schaffung von Wohnraum müssen alle Interessen abgewogen werden, denn „Wohnen ist ein allgemeines Grundbedürfnis und da dürfen Interessen Einzelner nicht im Vordergrund stehen“, meinte sie. Der größte CO2-Ausstoß wird im Gebäudebereich verursacht. Daher sei eine Sanierungsquote von einem Prozent im Jahr zu niedrig. 70 Prozent aller Gebäude wurden vor 1979 erstellt. Schreyer setzt daher beim Klimaschutz auf Anreizsysteme und weniger auf Verbote.

In ihrem Vortrag „Nachhaltiges Bauen für eine gute Zukunft - Die Haltbarkeit unseres Tuns“ - gab Lamia Messari-Becker, Professorin für Gebäudetechnologie und Bauphysik der Uni Siegen, einen umfassenden Einblick zur Umsetzung. Sie legte den enormen Ressourcenverbrauch der Bauwirtschaft dar: 50 Prozent des Materialkonsums haben weltweit fünf Länder zu verantworten. Deutschland gehört nicht dazu. An erste Stelle steht China (28%), vor USA (13%), Indien (7%), dann folgen Brasilien und Russland.

Städte sind zu 70 Prozent für den globalen Energieverbrauch und zu 43 Prozent für die globalen Treibhausgase verantwortlich. Der Klimawandel wird vom Bauen stark beeinflusst. Die versiegelten Flächen nehmen zu und damit auch die Gefahr bei Starkregen. Ihrer Meinung nach, so Messari-Becker, wurde viel zu lange über Autos diskutiert, die Potenziale für den Klimawandel bei Gebäuden und Infrastruktur seien weitaus größer.

Beim Bauen der Zukunft müssen die Ebenen Raum, Stadt, Quartier und Gebäude intelligent vernetzt werden. Seit 1980 seien die Standards immer besser geworden, jedoch sei auch der Bedarf an Wohnraum mit dem Wohlstand gestiegen. Sie fordert daher bei Gebäuden eine modulare Bauweise, die im Lebenszyklus atmen könne. Dies sei heute bereits möglich. Weiter forderte sie eine Umnutzung von Leerständen beim Bestand. Moderne Gebäude müssten so gebaut werden, dass sie zerlegbar und recyclebar sind. Das Abfallaufkommen und der Bauschutt sind an sich zu wertvoll, um es zu deponieren. Selbst hochfester Beton lässt sich aus recyceltem Material herstellen.

Die Haushalte benötigen ein Drittel des verbrauchten Energiebedarfs. Strom habe dabei bereits einen Anteil von 42 Prozent an erneuerbarer Energie. Sich jedoch bei der Energiewende ausschließlich auf Strom zu fokussieren, hält sie für den falschen Weg. 70 Prozent des Baubestandes wurde vor 1979 erstellt. Hier liege die wahre Herausforderung der Energieeinsparung. In Zukunft sollte man nicht nur das einzelne Gebäude betrachten, sondern stadtteilbezogen oder im Quartierbereich gestalten. Dies biete weitaus mehr Potenzial.

Die Stadt der kurzen Wege verbiete das Auto nicht, aber idealerweise vereine sie Wohnen, Arbeiten, Einkaufen in einem 15-Minuten-Wegeradius. Im Sinne des Klimaschutzes muss die Infrastruktur angepasst werden, ausreichend Grün. Für die Stadt der Zukunft seien grüne Fassaden, natürliche Gärten und Leben an Flüssen das Ziel. Messari-Becker belegte ihre Aussagen mit einigen sehr anschaulichen Beispielen.

Wachstum ohne Ende? Wege in eine Nachhaltige Wirtschaftsordnung, war das Thema von Ortwin Renn, Professor und Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam. Er stellte zu Beginn die Frage, ob nachhaltiges Wachstum nicht ein Widerspruch in sich sei. Zielorientierung sei qualitatives Wachstum, das an Auflagen gebunden ist. Eine Dekarbonisierung ohne staatliche Steuerung werde zum Problem.

Zunächst beschrieb er Nachhaltigkeit in drei Dimensionen: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Das ständige Vermehren des gesellschaftlichen Wachstums ermöglichte eine Umverteilung, ohne auf den Bestand zurückzugreifen. Das sei die Grundlage einer liberalen, freiheitlichen Wirtschaftsordnung. Aus dieser Vorstellung heraus ergeben sich Konflikte zwischen Nachhaltigkeit und Wachstum. Wachstum könne eine Umverteilung erleichtern. Wachstum trage aber eher zu einer Ungleichheit bei und hier sei staatliche Regulierung gefordert.

Als Lehre für Politik und Gesellschaft forderte Renn eine Abkehr von der aktiven Wachstumspolitik, hin zum selektiven Wachstum. Wachstum ei ein Mittel, aber kein Selbstzweck. Die Zielorientierung soll sich am qualitativen Wachstum, zum Beispiel an Umweltauflagen orientieren. Der Verteilungsschlüssel und damit die Frage der sozialen Gerechtigkeit hätten unabhängig vom Wachstumsgedanken in Form eines Besteuerungskonzeptes zu erfolgen. Gute Daseinsfürsorge, Gesundheit und Bildung sei nicht zwingend vom Reichtum einer Minderheit abhängig.

In seiner Schlussfolgerung sieht er Wirtschaftswachstum und nachhaltige Entwicklung sehr wohl im Spannungsfeld, jedoch grundsätzlich nicht im Gegensatz. Hauptproblem sei der immer größere Ressourcenverbrauch, der bei einem materiellen Güterwachstum erforderlich sei. Wirtschaftliches Wachstum erfordere daher Leitplanken und die soziale Gerechtigkeit müsse durch die Politik berücksichtigt werden.

In der abschließenden Diskussion wurde auch zu aktuellen politischen Themen Stellung bezogen: So findet es die bayerische Bauministerin Schreyer gut, dass ein Bundesbauministerium eingerichtet wurde. Gleichzeitig übte sie massive Kritik an der plötzlichen Einstellung der KFW-Förderung. Das Ziel 400.000 Wohnungen pro Jahr zu bauen, sei sehr ambitioniert. Reduzierung von Flächenverbrauch und der Bedarf an Wohnraum forderten Prioritäten und neue mutige Lösungen. Weiter dürfe man die unterschiedliche Herausforderung von Stadt und Land nicht gegeneinander ausspielen, man sollte überall gleich gut leben können.

Gebbeken stellt klar, dass das Auslaufen der KfW-Förderung von der alten Regierung noch beschlossen wurde. Ein energetischer Invest, der sich in zehn bis 20 Jahren auszahlt, müsse nicht unbedingt gefördert werden. Wohnen müsse bezahlbar bleiben und sei eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Bei den Möglichkeiten der Digitalisierung und Robotisierung am Bau sehe er einen erheblichen Nachholbedarf. Nur dadurch ließen sich angesichts des Fachkräftemangels die 400.000 Wohnungen pro Jahr überhaupt realisieren.  

Messari-Becker sieht in der Quartierentwicklung die größten Chancen eines nachhaltigen Wohnens. Stadt und Land dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden und ein Verbot des Einfamilienhauses lehnte sie ab. Die digitale Bauakte auch im Hinblick auf marode Brücken und Straßen umzusetzen, sei eine Forderung an die Politik.

Renn sieht es als wichtig an, dass die erforderlichen Entbehrungen fair verteilt werden. Zu Lasten der Einkommensschwachen dürfe das nicht sein. "Die Wirklichkeit mit eindimensionalen Werten abzubilden, geht nicht mehr." Nur wenn man herausstelle, dass die Zukunft besser werde, wird man die Menschen ansprechen können. Zu Themen des ökologischen Wachstums seien die Bürgerinnen und Bürger weiter als die Politik.

Kommentar von Ulrich Bareiß und Christian Humburg
Der Bayerischen Ingenieurekammer gelingt es immer wieder, zukunftsorientierte Themen anzusprechen. Dass dabei die soziale Frage mit behandelt wurde, macht die gesellschaftspolitische Verantwortung der Ingenieurinnen und Ingenieure sehr deutlich. Dass sich der bayerische Staat in der Vergangenheit aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen hat und damit an der Wohnungsknappheit eine Mitverantwortung trägt, hat die Ministerin natürlich nicht erwähnt. 
Der vieldiskutierte Auslauf der KfW-Förderung wurde tatsächlich noch von der alten Regierung beschlossen. Beantragt wurde diese meist von Investoren und Bauträgern, die mit diesem „Zuckerl“ ihre Eigentumswohnungen gut verkaufen wollen. Der einzelne "Häuslebauer" ist davon weniger betroffen und in Zeiten der günstigen Kredite darf eine solide Finanzierung nicht von einer anteiligen KfW-Förderung abhängen.

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Bayerischer Ingenieuretag 2022

mti/AIN-Forum 2020: „Mobilität der Zukunft – Mobilität für Bürger“ Verkehrspolitik in ver.di

Das Forum findet statt am 

Samstag, 17. Oktober 2020, 10:30 bis 16:30 Uhr
Caritas Pirckheimer Haus, Königstraße 64, 90402 Nürnberg

Dieses Fo­rum zielt schwerpunktmäßig auf eine Verkehrswende und einen umweltfreundlichen Verkehr. Hinzu kommen die Auswirkungen der Corona Pandemie und die Frage wie es danach weiter gehen soll.
Ver.di macht sich dafür stark, den Klimaschutz mit der Sicherung der Beschäftigten und der Stärkung der Arbeitnehmer*innenrechte zu verknüpfen.

Auf folgende Fragen müssen wir Antworten erhalten:

  • Wie kann eine CO2-neutrale Mobilität funktionieren, und welche Rolle spielt dabei der ÖPNV?
  • Welche städtebaulichen Aspekte sind zu berücksichtigen? Wem gehört die Stadt? (Radwege, Erholungsflächen, Luftqualität, Parkraumverwaltung)
  • Welche Auswirkungen sind auf Arbeitnehmer, auf Bürger, auf Gewerkschaften zu erwarten?

Das diesjährige Forum der Meister, Techniker und Ingenieure mti in ver.di und des Arbeitskreises Ingenieure und Naturwissenschaftler AIN in der Fachgruppe Industrie/Industrielle Leistungen will dieses Seminar nutzen, um zum Handeln anzuregen.

Die Referenten:

Ulrich Bareiß, ehemaliger Betriebsrat Audi AG: Blick auf den Individualverkehr „Umweltfreundliche PKW“ – wo stehen wir heute? Mobil per Rad – Wie die Pandemie dem E-Bike zum Durchbruch verhilft.
Thomas Gehringer, ver.di Bundesverwaltung: Was muss geschehen, damit die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden können und was können wir selbst tun?
Kai Winkler, ver.di Landesbezirk Bayern, Fachbereich Verkehr: ÖNVP und Konjunkturpaket,  ver.di-Strategien zum Verkehr der Zukunft
Katharina Wagner, ver.di Landesbezirk Bayern, Fachbereich Verkehr: Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Gewerkschaften, gewerkschaftliche Forderungen und Vorschläge
Ulrich Bareiß, Mitglied im mti Bundesausschuss und Vorsitzender FG Industrie Bayern: Abschlussdiskussion und Zusammenfassung mit anschließendem Ausblick für mti- Themenkreis im Jahr 2021: „Nachhaltige Produktion“
 
Agenda und Anmeldung: https://verdi-bw-bayern.de/events/20-24-320#anmeldung 

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mti/AIN-Forum 2019: „Gesundheitswesen im Wandel“, Digitalisierung und Gesundheits- und Pflegepolitik in ver.di.

Das Forum findet statt am Samstag, 18. Oktober 2019,
im Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64.

Mit die­sem Fo­rum wird ein Ein­blick in die Di­gi­ta­li­sie­rung des Ge­sund­heits­we­sens gege­ben. Ein Blick auf den Da­ten­schutz sowie in den heu­ti­gen Kli­ni­kall­tag mit ge­werk­schaft­li­chem Fo­cus wird ge­bo­ten. In­ter­essan­te Vor­trä­ge und span­nen­den Dis­kus­sio­nen er­war­ten un­s.

Das diesjährige Forum der Meister, Techniker und Ingenieure mti in ver.di und des Arbeitskreises Ingenieure und Naturwissenschaftler AIN in der Fachgruppe Industrie/Industrielle Leistungen will dieses Seminar nutzen, um zum Handeln anzuregen.

Die Referenten:

  • Christian Humburg, mti München, Ingenieur der Nachrichtentechnik
  • Thomas Fischer, Tfitconsult, Unternehmensberater
  • Barbara Susec, ver.di Bundesverwaltung, Gesundheits- und Pflegepolitik
  • Ariane Wolf, ver.di Landesbezirk Bayern, Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen in Bayern
  • Moderation Martina Helbing, München

 Agenda und Anmeldung: https://verdi-bw-bayern.de/events/19-30-381

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Bildungs-Informationsblätter

ver.di Kampagnen