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Altersarmut droht auch in Bayern

Altersarmut droht auch in Bayern

19.06.2017

Schockierende Zahlen für ein reiches Land: Im angeblich so paradiesischen Bayern droht mehr als 40 Prozent der Erwerbstätigen die Altersarmut auf dem Niveau der Grundsicherung. „Ein beschämendes Ergebnis für ein Land, in dem sich die Schere zwischen Arm und Reich sehr offenkundig immer weiter öffnet“, erklärte Luise Klemens, Landesbezirksleiterin von ver.di Bayern. Das geht aus einer Datenauswertung des Eduard Pestel Instituts für Systemforschung im Auftrag der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hervor.

39,4 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Bayern erzielen ein Bruttoeinkommen von unter 2.500 Euro. Damit liegt Bayern zwar unter dem Bundesdurchschnitt, die Zahlen sind aber auch hier in höchstem Maße besorgniserregend. Mehr als 1,3 Millionen Bayern müssen damit langfristig, spätestens ab einem Renteneintritt 2030, mit einer Rente unter 800 Euro rechnen – mehr als 820.000 sogar unter 600 Euro. Die Grundsicherung belief sich 2015 in Bayern im Schnitt auf 789 Euro. Rechnet man zu den Gesamtzahlen auch noch die knapp 770.000 Menschen in Bayern, die nur einen Minijob ausüben, hinzu, verdienen im Land mindestens 45 Prozent aller Beschäftigten weniger als 2.500 Euro brutto.

„Damit droht fast der Hälfte der bayerischen Erwerbstätigen trotz 45 Beitragsjahren im Alter der Gang zum Sozialamt, wenn nicht eine zusätzliche Absicherung über den Partner oder Vermögen vorliegt. Das ist eine unfassbare sozialpolitische Fehlentwicklung“, kritisierte Luise Klemens. Diejenigen, die nur auf 40 oder gar 30 Beitragsjahre kämen, und das sind wegen der Erziehungszeiten vor allem Frauen, rutschten definitiv auf Hartz-IV-Niveau, so Klemens.

Deshalb startet ver.di heute eine bundesweite Aktionswoche mit dem Motto „Gute Löhne – gute Rente“. Bundesweit und auch in Bayern finden diese Woche viele betriebliche Aktionen und Veranstaltungen statt.

Aus den bundesweiten Zahlen geht hervor, dass 62 Prozent der Frauen im Westen und 68 Prozent der Frauen im Osten weniger als 27.500 Euro im Jahr verdienen und damit, auch wenn sie 45 Jahre lang einzahlen, nah an oder unter die Grundsicherungsgrenze rutschen würden.

„Gegen diese drohende, millionenfache Altersarmut brauchen wir einen schnellen und klaren Kurswechsel in der Rentenpolitik“, forderte Luise Klemens, „und dazu wollen wir von den Parteien im Bundestagswahlkampf klare Stellungnahmen“.