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    ver.di spricht sich gegen Impfpflicht aus

    ver.di spricht sich gegen Impfpflicht aus

    13.01.2021

    „Vor knapp zwei Wochen wurde in Bayern mit Impfungen gegen den Corona-Virus begonnen“, erinnerte Robert Hinke, Leiter des Fachbereichs Gesundheit & Soziales in ver.di Bayern: „Jetzt von Seiten des Bayerischen Ministerpräsidenten von einer Impfpflicht für Pflegekräfte zu sprechen, um einer vorgeblich breiten Impfskepsis unter Pflegekräften entgegenzutreten, legt den Verdacht nahe, dass man dem wachsenden Unmut in der Bevölkerung über Startschwierigkeiten bei der Impfkampagne mit einem politischen Ablenkungsmanöver begegnen will. Ausgerechnet auf Kosten von Pflegekräften, die im Kampf gegen die Pandemie Außerordentliches leisten.“ Angesichts einer noch anlaufenden Impfkampagne und fehlenden Impfstoffes bestehe überhaupt kein Anlass, über eine Impfpflicht zu debattieren. Von einer allgemeinen Impfskepsis unter Pflegekräften könne keine Rede sein, wohl aber über berechtigte Zweifel in einzelnen Einrichtungen. „Statt eines unbelegten Generalverdachtes gegen eine ganze Berufsgruppe ist Aufklärung erforderlich. Und hier rede ich nicht von weiteren Glanzbroschü-ren“, so Hinke, „sondern von Aufklärungsveranstaltungen seitens qualifizierter Fachleute in den Einrichtungen selbst.“

    Der Start der Impfkampagne war alles andere als reibungslos, die Einhaltung der Kühlketten ist nicht trivial, der Mangel an Impfstoff bleibt eklatant, Warteschlangen bei den Impfzentren und die wachsende Anzahl an Impfanmeldungen lassen eine Überlastung der verantwortlichen Stellen befürchten. Viele der Mängel zu Beginn dürften mangels Blaupause wohl auch unvermeidbar sein. „Es gibt keine Alternative zur Impfstrategie, umso mehr wäre zu erwarten gewesen, dass über technische Fragen hinaus der Aufklärung über Chancen und Risiken der neuen Impfstoffe mehr Aufmerksamkeit zukommt“, kritisierte Hinke.

    „Es reicht nicht, dass Mobile Impfzentren vorfahren“, ergänzte Lorenz Ganterer, Fachsek-retär für die Altenhilfe: „Berechtigte Fragen von Skeptikern muss man vor Ort auch sachlich beantworten und Sorgen ausräumen können“, so Ganterer. Auch der Druck so man-cher Arbeitgeber und Vorgesetzter löse Befürchtungen aus, spiele der Arbeits- und Gesundheitsschutz doch auch ansonsten nicht die ihm zukommende Rolle.

    Die Debatte zu einer Impfpflicht sei unnötig und kontraproduktiv. „Wir appellieren an alle Kolleginnen und Kollegen sich über vorliegende wissenschaftliche Fakten zu den Impfstoffen und dem Impfverfahren zu informieren und sich für eine Impfung zu entscheiden. Nur so finden wir einen Weg zurück in ein normales Leben und vermeiden einen Kollaps des Gesundheitssystems. Eine Diskriminierung im Falle einer gegenteiligen Entscheidung darf es jedenfalls nicht geben.“