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    Missbrauch von Befristungen stoppen

    Missbrauch von Befristungen stoppen

    11.05.2021

    Über drei Millionen Beschäftigte haben in Deutschland nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Vor allem junge Leute sind zunehmend betroffen. Über die Hälfte der Menschen unter 30 Jahren landen heute nur noch in befristeten Jobs. Allerdings: Mehr als die Hälfte der Befristungen ist sachgrundlos, das heißt, es gibt keinen wirklichen Grund für die Befristung. Dennoch ist davon fast jede zweite Neueinstellung betroffen. Je größer der Betrieb, desto höher der Anteil an Befristungen. Und oftmals reihen sich Befristungen mit Sachgründen nahtlos an die sachgrundlose Befristung an.

    Unerträgliche Situation, keine berufliche Perspektive

    Für die Betroffenen ist das unerträglich: Sie können sich keine verlässliche berufliche Perspektive aufbauen, haben es schwer, eine Wohnung zu finden, eine Familie zu gründen oder – wenn sie bereits eine Familie haben – auch nur einen Urlaub mit den Kindern zu planen. Befristet Beschäftigte haben oft auch Angst, sich im Betrieb oder ihrer Dienststelle für ihre Interessen einzusetzen, da sie fürchten müssen, dass ihr Vertrag sonst nicht verlängert wird.

    Das muss gestoppt, dem Missbrauch des Teilzeit- und Befristungsgesetzes ein Riegel vorgeschoben werden:

    • Sachgrundlose Befristungen gehören abgeschafft,
    • Kettenbefristungen müssen deutlich begrenzt und
    • Befristungen nach Sachgrund müssen auf ein Minimum reduziert werden;
      dafür gehören zunächst die Sachgründe „zur Erprobung“ und „begrenzter Haushaltsmittel“ abgeschafft.

    Im noch aktuellen Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Wir haben einen wirklichen Durchbruch bei den Verhandlungen über die sachgrundlose Befristung und Kettenverträge erreicht: Möglichkeiten der befristeten Beschäftigung werden reduziert. Sachgrundlose Befristungen werden wieder zur Ausnahme, das unbefristete Arbeitsverhältnis soll wieder zur Regel werden in Deutschland. Endlose Kettenbefristungen werden abgeschafft.“ Das steht dort nun schon die ganze Legislaturperiode, jetzt hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, SPD, einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt.

    ver.di fordert die Mitglieder der Bundesregierung und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, diesen Gesetzesentwurf zu unterstützen und noch in dieser Legislaturperiode zu einem Gesetz zu machen. Du kannst ver.di dabei unterstützen, indem du folgenden Brief kopierst, ergänzt und in deinem Namen und mit dem beigefügten ver.di-Aufruf an deine zuständigen Bundestagsabgeordneten oder auch an die Bundesregierung direkt schickst.

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    Muster für ein Anschreiben
    an MdBs der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und FDP und/oder Minister der Bundesregierung

    Sehr geehrte/geehrter Frau/Herr Bundestagsabgeordnete/r, Bundesminister/-in,

    uns brennt das Thema des Missbrauchs von Befristungen unter den Nägeln. Über drei Millionen Menschen arbeiten in Deutschland befristet, über die Hälfte der Befristungen ist sachgrundlos. Fast jede 2. Neueinstellung ist davon betroffen.

    Ggf. kurze Schilderung der Situation vor Ort: Bei uns im Betrieb/in der Dienststelle …

    Arbeit wird dadurch entsichert, Menschen ihrer Perspektive beraubt und einer Teilung der Gesellschaft in „Gewinner“ und „Verlierer“ Vorschub geleistet, die nicht hingenommen werden kann und darf.

    Für CDU/CSU und SPD:

    Wir fordern Sie mit dem beigefügten Aufruf unserer Gewerkschaft ver.di dazu auf, dem Missbrauch von befristeten Arbeitsverhältnissen einen Riegel vorzuschieben, wie es auch im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. Halten Sie ihr Wort!

    Für Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und FDP:

    Wir fordern Sie mit dem beigefügten Aufruf unserer Gewerkschaft ver.di dazu auf, dem Missbrauch von befristeten Arbeitsverhältnissen einen Riegel vorzuschieben und gesetzgeberisch tätig zu werden.

    Mit freundlichen Grüßen