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Explodierende Energiekosten und rasante Preissteigerungen

Explodierende Energiekosten und rasante Preissteigerungen

18.10.2022

Söders Winter-Milliarde muss auch die Freie Szene stützen
Kein Sonderopfer für Theater und Kulturbetriebe in Bayern

Bayerische Kulturbetriebe und hier v.a. Einrichtungen, die nach wie vor unter den Auswirkungen und Einbußen durch „Lockdowns“ und andere Pandemieauflagen leiden, dürfen aus Sicht der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in der aktuellen Krise nicht erneut gefährdet werden.

Luise Klemens, Landesleiterin von ver.di Bayern, betont: „Auch die Freie Szene sowie unabhängige, selbstständige Künstler*innen und Kulturschaffende sind in ihrer Existenz bedroht durch unbezahlbare Energierechnungen und weitere Sachkostensteigerungen. Dieses Szenario birgt die Gefahr, große Teile der Kunst- und Kulturlandschaft unwiderruflich zu vernichten, auch im ländlichen Raum oder in kleinen bzw. finanzschwachen Kommunen.“

Insbesondere Freischaffende leiden bereits jetzt unter fehlenden oder sinkenden Einkommen bzw. höheren Ausgaben für beruflich bedingte Kosten und den Lebensunterhalt, weil eine Vielzahl unter prekären Rahmenbedingungen arbeiten muss. „Diese ambitionierten, engagierten Menschen müssen angemessen entlastet und existenziell nachhaltig abgesichert werden - nicht nur in den Entlastungs- und Unterstützungsmaßnahmen des Bundes: Auch der Freistaat Bayern hat hier eine Fürsorgepflicht, denn Kunst und Kultur gehören im ‚Kulturstaat‘ Bayern zur Daseinsvorsorge“, fordert Agnes Kottmann, Gewerkschaftssekretärin für Kunst, Kultur und Selbstständige in ver.di Bayern. „Die Hilfen müssen gezielt erfolgen und nicht nach dem Gießkannenprinzip, sodass Bestverdienende und Vermögende ebenfalls profitieren.“ 

Danach sollten bei der Versorgung mit Strom und Wärme nicht nur Kulturgüter der sog. Hochkultur und des historischen kulturellen Erbes berücksichtigt oder gar priorisiert werden – auch die abseits davon vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft gelte es zu pflegen und zu bewahren, inklusive der Angebote für geflüchtete und mit geflüchteten Menschen. „Vielfalt und vielfältige Stimmen bereichern unsere Gesellschaft und stärken unsere Demokratie. Sie sind wichtige Inspiration für zukünftige Entwicklungen und Lösungen“, ist Tina Scholze überzeugt, stellvertretende Landesfachbereichsleiterin des neuen ver.di-Fachbereichs A und u.a. zuständig für Kultur. „Sie bilden Brücken zwischen gesellschaftlichen Schichten und Generationen und stärken besonders in Krisenzeiten den Zusammenhalt.“

Feste und freie Mitarbeiter in Kunst und Kultur dürfen für ver.di außerdem nicht unter Energiesparmaßnahmen wie abgesenkten Temperaturen gesundheitlich leiden. Die Gesundheit ist insbesondere bei freien Kulturschaffenden deren Kapital, auch weil sie meist keine Einnahmen bzw. Honorarfortzahlungen haben, wenn sie krank sind. „Der Gesundheitsschutz all dieser Menschen ist für ver.di mindestens genauso wichtig wie der Erhalt der ‚alten Schätze‘“, so Luise Klemens.

Danach seien Theater, Kinos und Kultureinrichtungen weder zu schließen noch im Betrieb einzuschränken, um so auf Kosten des kulturellen Angebots und der Produzenten wie Besucher Energie zu sparen. Vernünftige, sinnvolle Energiesparkonzepte werden von ver.di begrüßt und unterstützt. 

Die aufgrund von Preisexplosionen sinkende Kaufkraft könnte zu großen Einnahmeverlusten bei Eintrittsgeldern führen, befürchtet ver.di. Diese müssten durch öffentliche Zuschüsse o.Ä. kompensiert werden bzw. könnten auf diese Weise Angebote im Preis günstiger werden. Was wiederum eine verstärkte Nachfrage nach sich ziehen und Kultur für alle ermöglichen würde.

Ein Bayerischer Rettungs- bzw. Schutzschirm ist für ver.di das Gebot der Stunde – und zwar für die Daseinsvorsorge mit Kunst und Kultur als einem der lebensnotwendigen Bestandteile. Statt u.a. bei den sog. freiwilligen Leistungen in Kunst und Kultur besonders in bayerischen Kommunen zu kürzen oder damit zu drohen. „Die bayerische Staatsregierung muss sich zusätzlich beim Bund für bessere kommunale Finanzen stark machen und außerdem die Forderungen von ver.di und kommunalen Beschäftigten, u.a. in Theatern und Musikschulen, in der anstehenden Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes unterstützen“, verlangt Tina Scholze.

Eine Finanzierung ist für ver.di möglich u.a. durch eine gerechtere Steuerpolitik wie Reichensteuer, Vermögenssteuer (stärkt den Landeshaushalt), höhere Erbschaftssteuer, Übergewinn- bzw. Krisengewinnsteuer o.Ä.

Die Angestellten wie Selbstständigen in Kunst, Kultur, Soziokultur und kultureller Bildung sind aus ver.di-Sicht unser wichtigstes Kulturgut und einer der wichtigsten Zukunftsfaktoren, auch angesichts der Endlichkeit von Rohstoffen. Ohne Kulturschaffende können wir unser kulturelles Erbe nicht schützen und die vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft nicht bewahren und ausbauen. Agnes Kottmann dazu: „Wenn nur noch jene Kultur schaffen, die sich das ‚leisten‘ können, verlieren wir Vielfalt, unkonventionelle Stimmen, innovative Perspektiven und die Fähigkeit, Vorgegebenes und Eingefahrenes neu zu denken und anzugehen.“