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Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

24.11.2020

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen fordert ver.di Bayern die Arbeitgeber*innen auf, klar Position zu beziehen. „Die Arbeitgeber*innen dürfen hier nicht wegsehen. Denn Gewalt gegen Frauen ist kein Privatproblem, sondern wirkt auch in die Gesellschaft und Betriebe hinein“, erklärte die Landesbezirksleiterin von ver.di Bayern, Luise Klemens. Es sei wichtig, dass sich die Unternehmen auch nach außen gegen jede Form von Gewalt wenden, damit die von Gewalt betroffenen Menschen wissen, dass sie Unterstützung und Hilfe bekommen können, betonte Klemens.

Nach der kriminalstatistischen Auswertung des Bundeskriminalamtes wurden 2019 knapp 142.000 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Vier Fünftel davon waren Frauen. Die Gewaltdelikte durch Partner oder Ex-Partner steigen seit 2015 an. Und das sind nur die bekannten Fälle von Partnerschaftsgewalt. Es ist von einer viel höheren Zahl an Delikten auszugehen, da sie meist im Verborgenen stattfinden. „Aber auch an ihren Arbeitsplätzen sind insbesondere Frauen von Gewalt betroffen“, berichtete Bettina Messinger, Frauensekretärin bei ver.di Bayern. Stressfaktoren fördern Gewalt. „Und dass die Corona-Krise das Gewaltproblem noch verschärft hat, davon muss man leider ausgehen“, so Messinger.

Zum Schutz der Betroffenen am Arbeitsplatz hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) im Jahr 2019 mit der „Konvention 190“ erstmals ein internationales Übereinkommen gegen Gewalt am Arbeitsplatz beschlossen. Es sieht zur Aufklärung ein breites Spektrum an Untersuchungs- und Abhilfemaßnahmen vor, wie zum Beispiel Beschwerdemöglichkeiten, Streitbeilegungsmechanismen sowie gerichtliche Verfahren. Darüber hinaus werden den Opfern weitreichende Unterstützungsmaßnahmen zugesichert.

Damit diese Konvention aber insbesondere Frauen auch wirklich schützen kann, müssen die EU-Mitgliedsstaaten das Übereinkommen ratifizieren. Dazu müsste sie der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs ermächtigen. Doch weil einige Länder die Beschlussfassung in diesem Rat blockieren, liegt das Verfahren insgesamt auf Eis. „Die EU darf ihre Bürger*innen nicht weiter im Stich lassen. Das Übereinkommen zum Schutz der Betroffenen am Arbeitsplatz muss endlich nach über eineinhalb Jahren ratifiziert werden“, fordert deshalb Bettina Messinger.