Digitale Themen in und aus Bayern

Deutsche Bahn als digitaler Spalter?

Pressemitteilung vom 13.12.2023

Bahn als digitaler Spalter - BahnCard nur noch fürs Smartphone?

In einer Zeit, in der die Digitalisierung unseres Alltags unaufhaltsam voranschreitet, rückt auch die Deutsche Bahn AG immer stärker in den Fokus. Die jüngste Entscheidung, die BahnCard künftig ausschließlich digital anzubieten, ruft jedoch nicht nur Befürworter auf den Plan, sondern stößt auch auf Kritik.

Der digitale Fortschritt hat zweifellos zahlreiche Vorteile – er senkt Kosten, steigert die Effizienz und eröffnet neue Möglichkeiten. Assistenzsysteme erleichtern den Alltag, Kommunikation wird schneller und effektiver. Doch während die Vorteile der Digitalisierung in vielen Lebensbereichen spürbar sind, gibt es auch eine Schattenseite: Der Zugang zu bestimmten Angeboten wird für eine nicht zu vernachlässigende Gruppe von Menschen erschwert oder gar unmöglich gemacht.

Die Deutsche Bahn hat mit ihrer Entscheidung, die BahnCard nur noch in digitaler Form anzubieten, eine deutliche Grenze gezogen. "Nicht alle sind sehr digital affin", gibt eine Sprecherin der Deutschen Bahn zu. Damit werden ab sofort Menschen, die aus verschiedenen Gründen auf ein Smartphone verzichten, vom Erwerb einer (Probe-) BahnCard ausgeschlossen. Doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Im zweiten Halbjahr 2024 sollen sogar alle Nicht-Digitalaffinen gänzlich von den Sparmöglichkeiten der BahnCard ausgeschlossen werden. Hier stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und dem Anspruch, auf gleichberechtigte Mobilität für alle Bürger*innen.

Die BahnCard war bisher nicht nur ein Stück Plastik, sondern auch ein Symbol für die Möglichkeit, unkompliziert und flexibel durch das Bahnnetz zu reisen. Doch nun hat die Deutsche Bahn auch das Thema Umweltverschmutzung ins Spiel gebracht. Mit dem Argument, Plastikmüll zu vermeiden, wird die Umstellung auf die digitale BahnCard begründet. „Aber war es wirklich notwendig, langjährigen BahnCard-Nutzenden jedes Jahr ein neues Plastikkärtchen zuzuschicken? Warum nicht das bestehende Analogteil mit der neuen Laufzeit aktualisieren? Diese Frage stellt sich insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Umweltdebatte und dem Druck, ressourcenschonender zu handeln“, so Helga Tögel, ehrenamtlich Aktive bei ver.di und Bahncard-Nutzerin.

Die Forderung nach einem "Recht auf Analog" wird angesichts dieser Entwicklungen immer lauter. Die Deutsche Bahn sollte ihre Verantwortung als Verkehrsdienstleister ernst nehmen und sicherstellen, dass Mobilität für alle Bürger*innen zugänglich bleibt – unabhängig von der digitalen Affinität.

Die Deutsche Bahn wird aufgefordert, die Bedenken und Anliegen der nicht digital affinen Bevölkerung ernst zu nehmen und alternative Lösungen zu prüfen, um niemanden von der Nutzung der BahnCard auszuschließen. Es bleibt zu hoffen, dass die Bahn ihre Rolle als digitaler Spalter überdenkt und sich verstärkt für eine inklusive Mobilität einsetzt.